Patellaluxation

Wenn das Knie plötzlich streikt

Die Patellaluxation ist eine Erkrankung des Kniegelenks, bei der die Kniescheibe (Patella) nicht stabil in ihrer vorgesehenen Gleitrinne läuft, sondern nach innen oder außen herausspringt. Dadurch wird die normale Bewegung des Kniegelenks gestört. Je nach Ausprägung passiert dies nur gelegentlich oder kann auch ein dauerhafter Zustand sein. Betroffen sind vor allem Hunde, seltener auch Katzen und die Erkrankung kann ein- oder beidseitig auftreten. 

Manche Tiere zeigen lange nur leichte Auffälligkeiten im Gangbild, bei anderen kommt es früh zu deutlicher Lahmheit oder Fehlbelastung. Unbehandelt kann eine Patellaluxation das Knie dauerhaft schädigen und die Entstehung von Arthrose begünstigen. Außerdem steigt das Risiko für weitere Knieprobleme, da aufgrund der Fehlbelastung das Knie übermäßig beansprucht werden kann.  

Typische Symptome

Hier sollten Sie aufmerksam werden

Viele Tierhalter*innen bemerken zunächst nur kleine Veränderungen im Gangbild. Sehr typisch ist, dass ein Tier plötzlich kurz humpelt, ein Hinterbein für einige Schritte anzieht oder auf drei Beinen läuft und danach wieder scheinbar normal weiterläuft. Dieses kurzzeitige Herausspringen der Kniescheibe ist oft eines der ersten Anzeichen.

  • zeitweises oder wiederkehrendes Humpeln 
  • ein hüpfender oder aussetzender Gang 
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen 
  • Unsicherheit beim Springen oder Treppenlaufen 
  • verminderte Belastbarkeit 
  • Schonhaltung eines Hinterbeins
  • bei fortgeschrittener Ausprägung eine dauerhafte Lahmheit oder Fehlstellung der Hintergliedmaße

Bei stärkerer Ausprägung kann die Kniescheibe häufiger oder sogar dauerhaft außerhalb ihrer normalen Position liegen. Dann zeigen manche Tiere nicht nur ein gelegentliches Hüpfen, sondern eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen oder eine sichtbare Fehlstellung im Bereich der Hinterbeine. 

Diagnose beim Tierarzt

Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen orthopädischen Untersuchung. Dabei wird das Kniegelenk abgetastet und geprüft, ob sich die Kniescheibe aus ihrer Position verschieben lässt oder sich bereits außerhalb der Gleitrinne befindet. In vielen Fällen lässt sich die Patellaluxation bereits bei der klinischen Untersuchung feststellen. 

Ergänzend werden in der Regel Röntgenaufnahmen angefertigt. Sie helfen dabei, das Ausmaß der Veränderung besser einzuschätzen und weitere Veränderungen im Kniegelenk zu erkennen. Vor allem bei länger bestehenden Beschwerden oder bei traumatischen Ursachen ist das wichtig für die weitere Behandlungsplanung. 

Je nach Befund wird die Patellaluxation in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie Einfluss darauf hat, ob ein konservativer Behandlungsversuch möglich ist, oder ob eine Operation durchgeführt werden sollte. Höhergradige Luxationen gehen in der Regel mit einem größeren Risiko für dauerhafte Gelenkschäden einher und erfordern häufig chirurgisches Eingreifen. 

Behandlung

Konservative Behandlung

Nicht jede Patellaluxation muss sofort operiert werden. Bei sehr milden Formen kann zunächst eine konservative Behandlung infrage kommen, insbesondere wenn nur selten Beschwerden auftreten. Dazu gehören eine angepasste Belastung, Gewichtskontrolle und eine gute Schmerztherapie, falls bereits Reizzustände oder Arthrose bestehen. Auch Physiotherapie kann in diesem Stadium hilfreich sein, denn die Kniescheibe ist von Muskulatur umgeben. Diese kann maßgeblich zu einer Stärkung des Knies beitragen, wenn sie gezielt trainiert wird. 

Operation

Wenn die Kniescheibe häufiger luxiert, die Lahmheit zunimmt oder das Knie bereits stärker verändert ist, wird in vielen Fällen eine Operation empfohlen. Ziel des Eingriffs ist es, die Kniescheibe wieder dauerhaft in ihrer natürlichen Führung zu stabilisieren und das Kniegelenk so zu entlasten. Eine frühzeitige operative Versorgung kann helfen, Folgeschäden wie Arthrose oder weitere Knieverletzungen zu minimieren. 

Je nach Ursache und Anatomie des einzelnen Tieres kommen verschiedene Operationsverfahren infrage. Dazu gehören unter anderem:

  • die Versetzung des Ansatzpunkts der Patellasehne 
  • die Vertiefung der Gleitrinne, in der die Kniescheibe läuft 
  • die Korrektur von Zugverhältnissen an Weichteilen rund um das Knie 
  • in einzelnen Fällen weitere knöcherne Korrekturen, wenn dies für eine stabile Führung der Kniescheibe notwendig ist 

Welche Methode gewählt wird, hängt vom individuellen Befund ab. Häufig werden mehrere Techniken miteinander kombiniert, um ein möglichst stabiles und langfristig gutes Ergebnis zu erreichen. Unser Anspruch ist in jedem Fall, die für Ihr Tier bestmögliche Lösung zu finden. 

Nachsorge

Nach einer Operation ist die Nachsorge ein sehr wichtiger Teil der Behandlung. In den ersten Wochen steht eine konsequente Schonung im Vordergrund, damit das operierte Knie in Ruhe heilen kann. Die Belastung wird anschließend schrittweise wieder aufgebaut. Eine gute Schmerztherapie und regelmäßige Kontrollen unterstützen die Heilung zusätzlich. 

Je nach Befund kann auch hier eine physiotherapeutische Begleitung sinnvoll sein, um Muskulatur, Beweglichkeit und Belastbarkeit gezielt zu fördern. Bei übergewichtigen Tieren spielt außerdem das Körpergewicht eine wichtige Rolle, da jedes zusätzliche Gewicht das Knie stärker belastet. 

Wir wissen, dass besonders der Aspekt der Nachsorge Teamarbeit zwischen Ihnen und uns bedeutet, wobei wir sie selbstverständlich bestmöglich unterstützen. Es ist uns wichtig, dass Sie sich gut aufgeklärt und informiert fühlen und stehen für Rückfragen natürlich zur Verfügung. 

Prognose

Die Prognose ist in vielen Fällen gut bis sehr gut, insbesondere wenn die Patellaluxation behandelt wird, bevor bereits deutliche Arthrose oder weitere Knieverletzungen entstanden sind. Nach einer erfolgreichen Operation erreichen viele Tiere wieder eine gute bis sehr gute Funktion des betroffenen Beins. 

Wenn bereits Arthrose besteht, kann das Knie auch nach der Behandlung empfindlicher bleiben. Dann geht es neben der Stabilisierung des Gelenks oft auch darum, Beschwerden langfristig gut zu kontrollieren und die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten. 

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